Kleine Momente. Klare Haltung. Claim Space

Was Feminismus in meinen Seminaren bedeutet
Feminismus wird häufig mit großen politischen Debatten verbunden. Mit Demonstrationen, gesellschaftlichen Konflikten oder grundlegenden Strukturveränderungen. All das gehört dazu. Gleichzeitig zeigt sich Feminismus für mich auch in vielen kleinen, alltäglichen Handlungen – besonders in pädagogischen Kontexten.
In meinen Seminaren geht es daher nicht nur um theoretische Konzepte, sondern vor allem um eine Haltung im beruflichen Alltag. Eine Haltung, die aufmerksam bleibt, die Ungleichheiten wahrnimmt und die eigene Rolle im System reflektiert.
Feministische Praxis bedeutet für mich:
Haltung zeigen. Grenzen achten. Rollenbilder hinterfragen. Ideen stärken. Macht sichtbar machen. Dieses gilt nicht nur für Frauen, sondern gleichwohl auch für Männer und für alle anderen gleich welcher Geschlechtsidentifikation.
Diese Aspekte tauchen in vielen Situationen des pädagogischen Alltags auf – oft in kleinen Momenten, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, aber eine große Wirkung entfalten können. Diese Momente gilt es in den Blick zu nehmen, um sie größer und bedeutsamer zu machen und im besten Fall eine Veränderung im Mindset zu bewirken.
Diskriminierung wahrnehmen und benennen
In meiner Arbeit versuche ich, diskriminierungssensibel zu arbeiten. Gleichberechtigung bedeutet für mich nicht nur, gleiche Rechte zu fordern, sondern auch aufmerksam zu bleiben für unterschiedliche Erfahrungen, die Menschen im Alltag machen.
Diskriminierung zeigt sich nicht immer offen oder offensichtlich. Häufig steckt sie in scheinbar kleinen Bemerkungen, in Erwartungen, die an bestimmte Personen gestellt werden, oder in Strukturen, die über lange Zeit selbstverständlich geworden sind.
In meinen Seminaren geht es deshalb darum, diese Muster sichtbar zu machen und darüber zu sprechen. Dabei beziehe ich verschiedene Perspektiven ein – sowohl die Erfahrungen von Frauen als auch die von Männern. Denn Diskriminierung wirkt auf unterschiedliche Weise und kann nur verstanden werden, wenn wir diese Vielfalt ernst nehmen.
Erst wenn wir Ungleichbehandlung wahrnehmen und anerkennen, können wir beginnen, etwas zu verändern. Genau darin liegt für mich ein zentraler Teil feministischer Praxis.
Grenzen wahrnehmen und respektieren
In sozialen Berufen ist der Wunsch zu helfen oft sehr groß. Viele Menschen entscheiden sich für pädagogische Arbeit, weil sie andere unterstützen möchten und Verantwortung für das Wohl von Kindern und Familien übernehmen wollen.
Gerade deshalb geraten eigene Grenzen jedoch leicht aus dem Blick. Besonders Frauen haben häufig gelernt, sich stark zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen und dabei ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen.
In meinen Seminaren spreche ich deshalb bewusst über das Thema Grenzen. Grenzen wahrzunehmen und zu benennen ist kein Zeichen von Schwäche oder Egoismus. Im Gegenteil: Es ist eine wichtige Form von Selbstfürsorge.
Wer die eigenen Grenzen kennt und respektiert, kann langfristig gesund und professionell arbeiten. Für mich gehört genau diese Haltung zu feministischer Praxis im Alltag.
Professionalität sichtbar machen
Pädagogische Arbeit wird in der Öffentlichkeit noch immer häufig unterschätzt. Viele Menschen verbinden den Beruf mit dem Bild vom „nett sein“, „basteln“ oder „mit Kindern spielen“.
Dabei steckt hinter guter pädagogischer Arbeit ein hohes Maß an Fachwissen, Reflexionsfähigkeit und Verantwortung. Fachkräfte treffen täglich komplexe Entscheidungen, gestalten Bildungsprozesse und begleiten Kinder in wichtigen Entwicklungsphasen.
In meinen Seminaren ermutige ich Teilnehmende deshalb, ihre eigene Professionalität bewusst wahrzunehmen und sichtbar zu machen. Die eigene Kompetenz ernst zu nehmen, bedeutet auch, sich selbst als Fachkraft zu positionieren.
Gerade in einem Berufsfeld, in dem überwiegend Frauen arbeiten, ist diese Sichtbarkeit besonders wichtig. Für mich ist sie ein weiterer Bestandteil feministischer Praxis.
Rollenbilder hinterfragen
Vorstellungen darüber, wie Frauen oder Männer „sein sollten“, sind tief in unserer Gesellschaft verankert. Diese Bilder prägen unser Denken – oft unbewusst.
Sie zeigen sich in Teams, in Erwartungen an Kolleginnen und Kollegen und auch im pädagogischen Alltag mit Kindern. Wer wird als besonders „durchsetzungsstark“ wahrgenommen? Wem wird eher Fürsorglichkeit zugeschrieben? Welche Erwartungen richten wir an Mädchen und Jungen?
In meinen Seminaren geht es darum, solche geschlechtstypischen Zuschreibungen zu erkennen und zu hinterfragen. Denn viele dieser Muster wirken weiter, obwohl sie längst nicht mehr zu einer vielfältigen Gesellschaft passen.
Wenn wir beginnen, diese Strukturen bewusst wahrzunehmen, entsteht Raum für neue Möglichkeiten. Genau darin sehe ich einen wichtigen Schritt für feministische Gestaltung.
Ideen von Frauen stärken
Viele Frauen bringen wertvolle Ideen in ihre Arbeit ein. Gleichzeitig erleben viele von ihnen Zweifel daran, ob ihre Gedanken wirklich wichtig oder relevant genug sind.
Diese Selbstzweifel führen oft dazu, dass Ideen nicht ausgesprochen werden oder schnell wieder verworfen werden. Dadurch bleiben viele Perspektiven und Potenziale ungenutzt.
In meinen Seminaren versuche ich deshalb, Frauen zu ermutigen, ihre Ideen ernst zu nehmen und ihnen Raum zu geben. Gedanken auszusprechen, Vorschläge einzubringen und eigene Perspektiven sichtbar zu machen stärkt die eigene Wirksamkeit.
Wenn Frauen erleben, dass ihre Ideen gehört werden und Wirkung entfalten können, verändert sich auch ihr Selbstverständnis im beruflichen Kontext. Das ist für mich gelebter Feminismus.
Über Machtverteilung sprechen
Ein Blick auf die Strukturen im pädagogischen Bereich zeigt ein bekanntes Muster: In vielen Kitas arbeiten überwiegend Frauen. Gleichzeitig sinkt ihr Anteil deutlich, je höher wir in Leitungs- oder Managementpositionen schauen.
Diese Unterschiede entstehen nicht zufällig. Sie sind Teil gesellschaftlicher Strukturen, die über viele Jahre gewachsen sind.
In meinen Seminaren spreche ich deshalb auch über Machtverteilung. Macht sichtbar zu machen bedeutet nicht, einzelne Personen zu kritisieren. Es bedeutet vielmehr, Strukturen zu verstehen und darüber zu sprechen, wie sie entstehen und wirken.
Wenn wir diese Muster erkennen, können wir beginnen, sie zu verändern.
Kleine Handlungen – klare Haltung
Feminismus zeigt sich für mich nicht nur in großen gesellschaftlichen Debatten. Er zeigt sich auch im täglichen Handeln: im Wahrnehmen von Diskriminierung, im Respektieren von Grenzen, im Ernstnehmen von Professionalität, im Hinterfragen von Rollenbildern, im Ermutigen von Ideen und im Sprechen über Macht.

Viele dieser Handlungen wirken auf den ersten Blick klein. Doch genau sie prägen den Alltag – in Teams, in Einrichtungen und in Bildungsprozessen.
Feministische Praxis beginnt oft dort, wo Menschen bewusst hinschauen, Fragen stellen und Verantwortung übernehmen.
In meiner Arbeit öffne ich Räume, damit pädagogische Fachkräfte genau das tun können. Sich die Zeit nehmen können, ihre eigenen kleinen Momente des anders Denkens , des anders Handelns zu erobern, damit sie es den Kindern als lebende Vorbilder weitergeben können. Denn nur dann kann Veränderung geschehen.
Was könnte Dein kleiner Moment der Veränderung sein? Wo könntest Du Dich anders verhalten? Jeder kleine Schritt zählt!
Kleine Handlungen. Klare Haltung.
Claim Space.
Herzlichst Deine
Sabine (Schulz)
